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Zusammenfassung
aus der Diplomarbeit „Clowns in Kinderkliniken“ von Katja Kemnade
(2005), einer Mitarbeiterin der „Dr. Clowns“.
Clowns in Kinderkliniken
Marie-Christine hat den Besuch auf der Station schnell entdeckt und läuft,
genauso wie andere Kinder, auf den Gang. Dort vollführen Lakritze und
Propelli gerade das Kunststück, aufeinander zu stehen und sich dann
mit Seifenblasen gegenseitig zu treffen. Das Mädchen lacht über
die Tolpatschigkeit der Clowns. Den Tropf, an den sie gefesselt ist, scheint
sie für diesen Augenblick vergessen zu haben. Begeistert versucht sie,
mit einer Hand die Seifenblasen zu fangen, die sich die Clowns zuspielen. „Solche
Erlebnisse sind einfach schön“, beschreibt Nicola Streifler ihre
Motivation für diese Arbeit. Wichtig sei, auf die jungen Patienten
einzugehen und sie ins Geschehen einzubeziehen.
(Quelle: http:\\www.nw-news.de - von Maren Meissner )

1 Lachen ist die beste Medizin
Lachen wirkt sich positiv auf das Immunsystem des Körpers und auf die
Selbstheilungskräfte des Patienten aus. Ebenso wirkt es unterstützend
und befreiend bei der Heilung von seelischen Leiden und wird
deshalb in verschiedenen Psychotherapieformen als Behandlungsmethode eingesetzt.
Seit den 70er Jahren beschäftigt sich ein neues Forschungsgebiet mit
dem Zusammenhang zwischen Heiterkeit und Gesundheit: die Gelotologie. Das
Wort „Gelos“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet
Lachen. Anstoß für die Erforschung des Lachens waren die Erfahrungen
des US-Wissenschaftsjournalisten Norman Cousins. Er erkrankte vor rund vierzig
Jahren an einer schmerzhaften rheumatischen Entzündung der Wirbelsäule
und Gelenke. Da die Aussichten auf Heilung aus medizinischer Sicht gering
waren, ersann er sich eine eigene Lachtherapie. Er ließ sich aus dem
Krankenhaus entlassen und mietete sich in einem Hotel ein. Dort ließ er
sich über mehrere Monate hinweg Filme mit berühmten Komikern vorführen
und lustige Bücher vorlesen. Später beschrieb er, wie er nach
zehn Minuten herzhaften Lachens zwei Stunden schmerzfrei schlafen konnte
(vgl. Cousins 1981). Obwohl Cousins selbst davon ausgeht, dass die Heilung
wahrscheinlich vorwiegend auf dem Placebo-Effekt beruhte (vgl. Cousins 1981,
S. 41) gilt er forthin als der „Vater der Humortherapie“.
Schon in der Antike lagen Tragik und Komik nahe beieinander. In den klassischen
Tragikkomödien wurde stets nach einer tragischen Szene eine komische gespielt,
damit die Gemütslage der Zuschauer im Lot blieb. Das Gelächter sollte
die Gefühle, die das tragische Schauspiel erweckt hatte, nicht verwischen
oder leugnen, machte sie aber erträglicher und ließ die Zuschauer
mit einer gewissen Gelassenheit wieder zu ihren gewöhnlichen Verrichtungen
zurückkehren (vgl. Bischofberger 2002). Die Autorin Iren Bischofberger vergleicht
Komik und Lachen mit einem Schwimmring, der die Menschen trotz tragischer oder
widriger Umstände, sei es im Schauspiel oder im realen Leben, vor dem Untergehen
bewahrt (ebd.).
1.1 Die Heilkraft des Lachens
Seit den Erfahrungen, die Norman Cousins bezüglich der positiven Auswirkungen
von Lachen auf die Gesundheit gemacht hat, haben sich die Lach-Mediziner
in vielen Studien mit den geistigen und körperlichen Folgen von Lachen
und Humor befasst und zahlreiche Belege für die positive Wirkung des
Lachens auf die Gesundheit gefunden.
Der Experte für Immunbiologie Prof. Dr. Gerhard Uhlenbrock definiert das
Lachen als „eine menschliche Ausdruckserscheinung, die mimisch durch die
Bewegung bestimmter Gesichtsmuskeln und lautlich durch eine besondere Rhythmik
des Stimmapparates gekennzeichnet ist. Lachen ist eine Reaktion auf heitere oder
komische Erlebnisse, ein Ausdruck bestimmter Stimmungslagen (freudig, albern,
ironisch, zynisch, verzweifelt) oder auch eine Art sozialen Verhaltens (freudiges
Grußlächeln, ansteckendes Lachen)“ (vgl. Uhlenbrock 2001).
Henri Rubinstein erläutert dies im Einzelnen: „Diese Körperreaktion
besteht aus einer Reihe von kleinen, aber heftigen Atembewegungen, die von unwillkürlichen
Kontraktionen der Gesichtsmuskeln abhängen. Sie werden immer von einer Vokalisierung
begleitet, die durch heftiges Ein- und Ausatmen mit Hilfe des Zwerchfells gebildet
wird. Gleichzeitig lockern sich die übrigen Muskeln mehr oder weniger stark“ (vgl.
Rubinstein 1985, S. 54).
Das Lachen wirkt sich wellenförmig auf die gesamte Muskulatur aus und beeinflusst
dadurch die Atmung positiv. Durch die Aktivierung der Brustmuskulatur entsteht
ein erhöhter Gasaustausch in der Lunge, was zu einer Sauerstoffanreicherung
im Blut führt, die wiederum für die Verbrennungsvorgänge im Körper
von großer Bedeutung ist. Dadurch wird der Stoffwechsel der biologischen
Fette entscheidend gefördert (vgl. Rubinstein 1985, S. 59). Die Atemkapazität
wird bedeutend erhöht und die Einatmung vertieft und verlängert. Dabei
wird fast das gesamte Luftvolumen der Lunge stoßweise herausgepresst, was
den Kehlkopfbereich mit einbezieht, so dass die Stimmbänder aktiviert werden.
Ebenso erhöht sich der Herzrhythmus zunächst, um dann dauerhaft abzusinken,
die Muskulatur der Arterien entspannt sich, wodurch das Gefäßvolumen
erhöht wird und sich der arterielle Druck verringert (vgl. Titze 1998, S.
18f).
Der Neuroimmunologe Lee Berk wies Mitte der neunziger Jahre darauf hin, dass
beim Lachen die Konzentration der Stresshormone im Blut deutlich abnimmt. Als
Folge davon kommt es zu einer Steigerung der Anzahl und der Aktivität verschiedener
Immunzellen. Dazu zählen sowohl die B- und T-Lymphozyten, die bakterielle
und virale Infektionen bekämpfen, als auch die natürlichen Killerzellen,
die an der Erkennung und Eliminierung von Tumorzellen beteiligt sind und einen
positiven Einfluss auf kardiovaskuläre Erkrankungen haben. Zudem wird beim
Lachen die Freisetzung von Hormonen und Neurotransmittern im Gehirn stimuliert.
Die so genannten Glückshormone (Endomorphine) bewirken, dass sich ein umfassendes
Wohlgefühl einstellt, was zusätzlich eine schmerzstillende Wirkung
hat (vgl. Kreuzeder 2002). Lee Berk schreibt dazu: „Es ist erstaunlich,
dass etwas so Einfaches wie ein heiteres Lachen es ermöglichen kann, eine
so signifikante immunologische Zelle wie die natürliche Killer-Zelle zu
modulieren (...) Offensichtlich modifiziert heiteres Lachen die Physiologie und
die Chemikalien, die die natürlichen Zellen affizieren, und es steigert
ihre Anzahl und ihre Aktivität“ (vgl. Berk 1994, S.3).
In seinen Untersuchungen stellt Berk außerdem fest, dass es nach einem
herzhaften Lachen zu einer Vermehrung der Immunglobulin-A Antikörper kommt.
Es handelt sich dabei um Eiweißkörper, die sich im Mundraum befinden,
um Viren und Bakterien Widerstand zu leisten und die somit von großer Bedeutung
für die körpereigene Immunabwehr sind.
Im Jahr 1995 kam der indische Arzt Madan Kataria auf die Idee, die gelotologischen
Ergebnisse umzusetzen, indem er so genannte „Lachklubs“ ins Leben
rief. Anhand von Techniken des Yoga werden dort ritualisierte Lachübungen
angeleitet. In Indien, Australien und den USA treffen sich mittlerweile täglich
Zehntausende von Menschen auf öffentlichen Plätzen, um sich auf diese
Weise zu erheitern und gesundheitlich zu stärken (vgl. Titze 2002).
1.2 Humor als Therapieform
Michael Titze beschreibt in seinem Buch „Therapeutischer Humor“ (1998)
die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von humoristischen Techniken
in elf verschiedenen Therapieformen. Dazu gehören unter anderem die
Psychoanalyse, die Individualpsychologie, die Logotherapie, das Psychodrama,
die Gestalttherapie und die Provokative Therapie. Allen gemeinsam ist der
von Titze empfohlene Einsatz von Humor und Lachen, um eine Brücke zwischen
dem Therapeuten und dem Klienten zu bauen. Lachen ist der Ausdruck einer
positiven, menschlichen Emotion, die in der Beziehung zwischen Analytiker
und Patient, welche in der Regel sehr einseitig verläuft und deren
Inhalte sich oft ausschließlich auf die seelischen Probleme des Klienten
beschränken, Gemeinsamkeit schafft. Dazu passt ein Zitat von Martin
Grotjahn: „Wenn wir lachen, lassen wir die Katze aus dem Sack. Dass
wir menschlich sind, brauchen wir unseren Patienten nicht zu zeigen, wohl
aber möchten wir von Zeit zu Zeit das Beispiel einer spontanen Reaktion
geben und die emotionale Freiheit bekunden, die zur Reife gehört.“ (vgl.
Grotjahn 1974, S. 152).
Der Sozialarbeiter Frank Farrelly entwickelte in den sechziger Jahren einen Therapieansatz,
den er als Provokative Therapie bezeichnete. Er ist der Meinung, dass die psychische
Zerbrechlichkeit von Patienten in vielen Fällen von ihnen selbst und auch
vom Therapeuten überschätzt wird. Er geht von der Annahme aus, dass
Menschen sich nur dann verändern, wenn sie mit Herausforderungen konfrontiert
werden, da sie dadurch gezwungen sind, ihr Potential, produktiv und adaptiv zu
handeln, freisetzen (vgl. Farrelly & Matthews 1983, S.960ff). Der Therapeut
gebraucht Humor in hohem Maße zielorientiert. Mit Hilfe des Lachens will
er seinen Patienten dazu animieren, mit persönlichen Angelegenheiten, Gefühlen
und Verhaltensweisen direkt und ehrlich umzugehen (vgl. Farrelly & Brandsma
1986, S. 133). Es geht ihm dabei einerseits um die Auflösung festgefahrener
Ansichten und Einstellungen und andererseits soll die Veränderung solcher
Haltungen und Meinungen erreicht werden. Der Humor ist dabei sowohl Katalysator
als auch Vehikel von Bewegung und Befreiung, denn „durch Humor und Lachen über
sich selbst bekommt man Distanz zur eigenen Verbohrtheit. Dadurch werden für
den Klienten und auch für den Therapeuten die Auswege aus einer scheinbar
ausweglosen Situation sichtbar“ (vgl. Höfner & Schachtner 1997,
S. 50).
1.3 Humor in der Krankenpflege
Humor in der Krankenpflege hat vor allem Bedeutung als implizite Form der
Kommunikation. Er kann die Qualität der Beziehung der behandelnden Ärzte
und des Pflegepersonals zum Patienten in positiver Weise beeinflussen. Oft
kommt das persönliche Gespräch des Arztes mit dem Patienten viel
zu kurz. Durch eine freundliche Unterhaltung und nettes Scherzen während
einer Untersuchung, Behandlung oder Visite wirkt der „Halbgott in
Weiß“ gegenüber dem Patienten nicht mehr so entrückt,
er wird menschlich.
Während ein freundliches Wesen und eine humorvolle Art des Pflegepersonals
einerseits den Klinikaufenthalt für die Patienten erträglicher macht,
kann andererseits auch der Gruppenzusammenhalt im therapeutischen Team positiv
gefördert werden. Damit fällt dem therapeutischen Humor - im Hinblick
auf das Burn Out-Syndrom - auch die Bedeutung einer Präventivmaßnahme
zu (vgl. Robinson 1994).
In vielen Krankenhäusern wird ein wichtiges humorbezogenes Hilfsmittel eingesetzt,
welches von Bea Ammidown als Reaktion auf den Erfahrungsbericht von Norman Cousins
konzipiert wurde. Dabei handelt es sich um so genannte Gelächterwagen. Ammidown
begann vor etwa zwanzig Jahren, lustige Bücher und Tonbandkassetten in einem
kleinen Servicewagen in die Krankenzimmer einer Kinderklinik zu fahren. Später
kamen auch noch Videofilme dazu. Dadurch brachte sie regelmäßig die
zum Teil schwer kranken Kinder zum Lachen. Die positive Gemütsverfassung,
die sie bei den Kindern dadurch erreichte, entlastete nicht nur das Klinikpersonal,
sondern hatte auch nachweislich therapeutische Wirkung (vgl. Titze & Eschenröder
1998, S. 148f).
Ein ähnlicher Einsatz erfolgt im Rahmen des Humor Cart Program, das ebenfalls
große Verbreitung gefunden hat. Im Gegensatz zu den Gelächterwagen
wird dieses Programm nicht nur bei Kindern eingesetzt, sondern auch bei Erwachsenen,
in Pflege- und Altenheimen. Die Organisation schickt Humorberater in die Kliniken
und Pflegeheime, die mit lustigen Cartoons, Postern, Lachsäcken, Videofilmen,
Tonbandkassetten und Büchern arbeiten. Die freiwilligen Mitarbeiter können
spezielle Schulungen besuchen, in denen sie zum Beispiel lernen, lustige Geschichten
zu erzählen oder Stegreifspiele mit Handpuppen zu improvisieren.
Der Einsatz von Humor auf den Stationen kann bei der Verarbeitung belastender
Situationen helfen. Durch eine offene, lockere, spielerische Art geht Ärzten
und Pflegekräften nicht, wie sicherlich oft befürchtet wird, die Professionalität
verloren, sondern sie gewinnen ein Stück Menschlichkeit dazu. So könnten
zum Beispiel Schwestern und Pfleger zwei oder drei kleinere Zauberkunststücke
beherrschen, um sie bei Bedarf einzusetzen. Kinderärzte könnten immer
eine rote Nase „für alle Fälle“ in der Tasche haben oder
ihren Kittel, der für viele Kinder beängstigend wirkt, vor der Tür
ausziehen, um ihn dann im Zimmer möglichst umständlich wieder anzuziehen.
Der Alltag auf einer Krankenstation könnte möglicherweise entspannter
für Patienten und Pflegepersonal ablaufen, wenn Humor, noch intensiver als
bisher, als fester Bestandteil des Gesamtbehandlungskonzeptes bei der stationären
Behandlung aller Patienten eingesetzt werden könnte.
2 Der Klinikclown
Der
Klinikclown spielt die „gesunde Seite“ des Patienten an, natürlich
ohne dabei die „kranke Seite“ auszuschließen. Er spielt
mit dem Menschen, nicht mit dem „Blinddarm von Zimmer 22“. Durch
seine Clownerien versucht er die natürlichen Ressourcen, zum Beispiel
den Humor, die kindliche Freude am Spielen oder eine optimistische Grundhaltung,
zu wecken. Beispielsweise bemitleidet er ein Kind mit einem Beinbruch nicht,
sondern er probiert mit ihm zusammen aus, was man trotz der Beeinträchtigung
durch den großen Gipsverband noch alles mit dem anderen Bein oder
dem ganzen Körper machen kann. Diese ganzheitlich ausgerichtete Perspektive
geht in der medizinischen Versorgung oft verloren. Gerade im Krankenhaus
werden Patienten nicht selten auf ihre Krankheiten reduziert, was zu Gefühlen
des Ausgeliefertseins und des mangelnden Respekts vor der eigenen Persönlichkeit
führen kann.
Häufig benutzt der Clowndoktor bei seiner „Behandlung“ Elemente
der Provokativen Therapie sowie solche der paradoxen Intervention. Durch Methoden
wie Übertreibung, Banalisierung und absichtliches Missverstehen versucht
er, dem Kind ein wenig von der Angst und dem Schrecken zu nehmen und ihm eine
neue, erträglichere Sicht auf die Krankheit, die behandelnden Ärzte
und den Aufenthalt auf der Kinderstation zu vermitteln.
Der Clown hat somit neben seinen Vorhaben, Abwechslung, Unterhaltung und
Spaß auf
die Kinderstation zu bringen, oft auch ein therapeutisches Anliegen. Er bringt
die Menschen zum Lachen und unterstützt damit sowohl seelisch als auch
körperlich den Heilungsprozess der Patienten.
2.1 Clown als Partner der Kinder
Aufgrund seiner natürlichen Affinität zu Kindern gelingt es dem
Clown schnell, Nähe und Vertrauen zu den kranken Kindern herzustellen,
sie so ein wenig von dem tristen Krankenhausalltag abzulenken und sogar
die Heilung positiv zu beeinflussen.
Durch diese enge Verbindung zwischen Clown und Kind ist es dem Clown eher als
den behandelnden Ärzten und dem Pflegepersonal möglich, das kranke
Kind emotional zu erreichen.
Der Aufenthalt in einer Klinik und die Auseinandersetzung mit der eigenen, möglicherweise
lebensbedrohlichen Erkrankung, ist gerade für Kinder eine sehr schwer zu
bewältigende Herausforderung. Durch ihren Entwicklungsstand ist es ihnen
oft noch nicht möglich, die Krankheit und die mit der medizinischen Behandlung
einhergehenden Untersuchungen und Einschränkungen zu akzeptieren und zu
verarbeiten. Das Kind fühlt sich allein, im Stich gelassen selbst von den
Eltern, die das Kind in die schmerzvollen Behandlungen hineinnötigen müssen.
Für Eltern betroffener Kinder ist es psychisch sehr belastend, das eigene
Kind unter einer Krankheit leiden zu sehen und es in vielen Fällen zwingen
müssen, sich der Behandlung der Ärzte zu unterziehen und die für
die Heilung notwendigen Einschränkungen einzuhalten. Sie möchten alles
in ihrer Macht Stehende für die Gesundung des Kindes machen und können
doch nur so wenig tun. Sie sind gezwungen, die Verantwortung für die Genesung
oder im schlimmsten Fall für das Leben des eigenen Kindes an die behandelnden Ärzte
abzugeben. Viele würden lieber die Krankheit selber auf sich nehmen, als
das Kind darunter leiden zu sehen. Und trotz all dieser psychischen Belastungen
ist mindestens ein Elternteil oft den ganzen Tag und meistens auch nachts bei
seinem kranken Kind. Dabei sind die Eltern ständig bemüht, ihre Angst,
Verzweiflung und Ohnmacht nicht zu zeigen, sondern immer wieder aufs Neue zu
versuchen, ihrem Kind Mut zu machen und mit ihm zu lachen.
Hier kann der Clown, der „von Natur aus“ auf Seiten des Kindes steht,
als Verbündeter auftreten. Als Verbündeter des kranken Kindes, das
durch den Besuch des Clowns, der möglicherweise aufgrund von mehrmaligen
Treffen schon zum Freund geworden ist, von seiner Krankheit abgelenkt wird und
durch Phantasie und Spiel aus der alltäglichen Tristheit und Enge des Krankenzimmers
entführt wird, und als Verbündeter der Eltern, die in der Zeit des
Clownsbesuches die Aufgabe des Mutmachens und des Fröhlichseins dem Besucher überlassen
können und sich vielleicht sogar selbst von seiner positiven Lebensenergie
und seinen Späßen anstecken lassen. Er wagt es, sich über diese
bedrohliche Welt lustig zu machen und distanziert sich damit von dem Schrecken,
den die befremdlichen Objekte eines Krankenhauses bei den betroffenen Kindern
und deren Angehörigen auslösen.
Manchmal gelingt es dem Clown sogar, den Betroffenen eine neue Sicht auf die
Krankheit, die damit einhergehenden Umstände, die eigene Einstellung gegenüber
dem Pflegepersonal oder den Behandlungsmethoden zu vermitteln. Eine Sicht, die
zwar meist absurd ist, aber manchmal doch ein Lächeln auf den Gesichtern
erzeugt.
2.2 Der Clown als Behandlungspartner
Neben Arzt/Ärztin, Schwester/Pfleger, Eltern/Angehörigen stellt
der Klinikclown eine vierte Kraft dar, die an der Heilung des Kindes bzw.
an der Erleichterung seines Klinikaufenthaltes beteiligt ist. Ihm geht es
dabei nicht nur um den Unterhaltungsaspekt, sondern auch darum, Aspekte
aus dem Leben, welches die Kinder normalerweise im Kindergarten, in der
Schule oder im freien Spiel mit Freunden führen, mit in den Klinikalltag
hinein zu nehmen.
Für die Arbeit der Clowns im Krankenhaus ist es wichtig, ein gewisses medizinisches
Know-how zu besitzen, um sich in die jeweilige Situation der Kinder auf der Station
einfühlen zu können. Vor jedem Besuch der Clowndoktoren findet eine Übergabe
durch das Pflegepersonal statt, in der die Clowns über die momentane Stimmung
auf der Station und den gesundheitlichen Zustand der einzelnen Patienten informiert
werden. Wie alle anderen Mitarbeiter im Krankenhaus unterliegen natürlich
auch die Clowndoktoren der Schweigepflicht.
Die Clowns möchten sich in keiner Weise als Konkurrenz zu den anderen Personen
und deren Aufgabenbereichen in der Klinik betrachtet sehen. Das Tun und Bemühen
der Ärzte, des Pflegepersonals, der Therapeuten, Pädagogen, Sozialarbeiter
etc. kann kein Künstler ersetzen. Es ist vielmehr für alle Beteiligten
wichtig, gegenseitigen Respekt vor der Arbeit des jeweiligen Kollegen zu haben.
In manchen Kinderkliniken, die regelmäßige Besuche von Clowndoktoren
bekommen, wird die Arbeit der Clowns nicht nur respektiert, sondern auch von Ärzten
und Pflegepersonal als Hilfe bei der Behandlung der Patienten genutzt. Dazu beschreibt
der Facharzt für Kinderheilkunde Dr. med. Lutz Wickmann anhand seiner langjährigen
Erfahrung mit Clownsbesuchen auf einer onkologischen Kinderstation aus kinderärztlicher
Sicht die vielfachen Einsatzmöglichkeiten, die sich für die Clowndoktoren
dort ergeben: „Dazu gehören:
- die Vorbereitung und Begleitung von Kindern im Zusammenhang mit Behandlungsprozeduren,
- das Einstimmen und Beruhigen der kleinen Patienten vor, während
und nach Punktionen des Knochenmarks oder des Spinalkanals,
- die partielle Führung sterbender Kinder,
- der Abbau von Leidensdruck bei Patienten in akut lebensbedrohlichen
Risikosituationen,
- seelischer Beistand für Eltern und Angehörige von Patienten
sowie
- direkte Unterstützung der Ärzte und Pflegenden bei der Bewältigung
der psychischen Belastung auf der Kindertumorstation“
(vgl. Meincke 2000, S. 124).
Neben der Bedeutung seiner Besuche für die kleinen Patienten beeinflusst
der Auftritt der Clowns die Atmosphäre und die alltägliche Arbeitsroutine
auf der Station auf irritierende aber für die meisten wohltuende Weise.
Seine anarchischen Späße machen selbst vor den „Weißkitteln“ nicht
halt. So passiert es schon mal, dass der Chefarzt mit dem Patienten verwechselt
wird und an seiner statt die Untersuchung auf sich nehmen muss. Natürlich
auf die Art der Clowndoktoren.
2.3 Grundlagen
der Arbeitsweise von „Dr. Clown“
Es gibt viele Klinikclowns, die ihre Besuche in Kinderkliniken alleine durchführen.
Die meisten aber kommen zu zweit, als Clownspaar. Diese Vorgehensweise wählten
auch die Mitglieder von „Dr. Clown“ als die für ihre Arbeit
passende aus, weil sich aus dem Zusammenspiel zwischen den beiden Clowns
eine Vielzahl schöner Spielmöglichkeiten ergeben können.
Die Kostümierung ist bei jedem Clown individuell. Alle bis auf Dr. Trine
Tropf entschieden sich dagegen, ihren Schwerpunkt auf die Rolle der Doktoren
zu legen und einen weißen Arztkittel als Kostümteil festzulegen. Die
Möglichkeit besteht allerdings, auch ohne Kittel bei Bedarf eine Untersuchung
durchzuführen oder ein Clownsrezept auszustellen. Das wichtigste Requisit
jedes Clowns ist ein kleiner Koffer oder eine Tasche, in der er Seifenblasen,
Luftballons, Handpuppen, Spieluhren, Kazoos, Rasseln, bunte Tücher und viele
weitere Dinge, die ein Clown so hat, aufbewahrt. Die Schminkmasken der Figuren
sind sehr minimiert, damit sie zwar einerseits klar als Clowns erkennbar sind,
andererseits aber die kranken Kinder nicht durch zu viel Schminke erschrecken.
Es gibt Clowns, die den Aufenthaltsraum der Station, falls es einen solchen gibt,
als Bühne nutzen und dort ein Programm vor den Kindern, die nicht im Bett
bleiben müssen, spielen. Sie suchen nur die ans Bett gebundenen Patienten
in ihren Zimmern auf. Die Dr. Clowns besuchen, wie die meisten anderen Klinikclowns,
alle Kinder am liebsten auf den Zimmern. Sie sind keine Bühnenclowns, die
ein festes Programm haben, sondern sie spielen mit den Situationen, die sie in
den Zimmern vorfinden, mit den Kindern, den Eltern oder mit dem Clownspartner.
Oft ergibt es sich, dass es auf einer Station gerade viele Kinder gibt, die herumlaufen
dürfen und sich auf den Fluren aufhalten. Dort werden natürlich auch
gemeinsam mit allen Kindern Spielsituationen und Geschichten gefunden. Obwohl
sie viele Kinder bereits auf dem Flur kennen gelernt haben, besuchen sie alle
zusätzlich in ihren Zimmern. Es ergeben sich oft besonders persönliche,
freundschaftliche Begegnungen zwischen den Clowns und den Kindern, wenn sie sich
für eine Weile ganz aufeinander konzentrieren.
3 Resümee
des Pilotprojektes
Die Besuche der Clowns wurden vom Personal aller Stationen als positiv empfunden.
Oft wurde nachhaltig eine fröhlichere Stimmung bei einigen Patienten
beobachtet, nachdem die Clowns da waren. Untersuchungen fielen leichter
und konnten mit größerer Kooperation von Seiten der kranken Kinder
durchgeführt werden. Auch erzählten die Schwestern davon, dass
die Klingelintervalle an den Nachmittagen und Abenden nach den Clownsbesuchen
länger als üblich gewesen seien und die Patienten noch oft von
den lustigen Besuchern berichteten. Auch konnten sie deutlich beobachten,
dass die oftmals vor allem bei kleineren Kindern vorhandene Scheu vor den
weißen Kitteln der Ärzte nach den Besuchen abnahm. „Wenn
die Clowns da waren, sind die Kinder viel gelockerter und viel bereiter,
uns „Weißkitteln“ etwas von sich und ihren Befindlichkeiten
zu erzählen. Alles geht dann plötzlich viel leichter“ (Dr.
Hans Broede, Klinikum Lippe-Detmold).
Alle Clowndoktoren werten die Besuche in den Kliniken insgesamt als sehr gelungen.
Entgegen anfänglicher Unsicherheiten gegenüber den oftmals schweren
Erkrankungen der Kinder und den Gegebenheiten der Kliniken gelang es ihnen bald,
sich in ihren Clownsfiguren auf den Stationen sicher zu fühlen. Das dem
Projekt vorausgegangene Training und die Erfahrungen als Theaterpädagogen
und Schauspieler bildeten dabei eine solide Grundlage.
Als „persönlich besonders erfüllend“ bezeichneten die Dr.
Clowns die Visiten bei Langzeitpatienten, da sich mit ihnen oftmals eine große
Vertrautheit oder sogar eine Freundschaft entwickelte und die Clowns bei ihrem
nächsten Besuch an das Spiel des vorherigen anknüpfen konnten. Auch
die Besuche bei schwerst- und mehrfachbehinderten Kindern wurden als „mit
die schönsten Erlebnisse“ beschrieben, wenn es gelang, „sie über
einen bestimmten oder mehrere Sinneskanäle zu erreichen, zu beruhigen oder
zum Lachen zu bringen“.
3.1 Die Kinder- und Jugendmedizinische Klinik im Klinikum Lippe-Detmold
Bei der Kinderklinik des Klinikums Lippe-Detmold handelt es sich um ein von
den übrigen Gebäuden des Komplexes abgetrenntes Haus, in dem sich
vier verschiedene Stationen befinden. Alle Bereiche der Kinderklinik sind
sehr kinderfreundlich gestaltet und eingerichtet: Die Wände sind bunt
bemalt und überall hängen Bilder und selbst gebastelte Mobiles
und Fensterbilder, es gibt ein Spielzimmer auf jeder Station, die Zimmer
sind hell und freundlich und haben Namen wie Mäusezimmer, Schulzimmer
oder Gespensterzimmer. Jede Station hat einen Zugang zu den großen
Balkonen, die auf der Rückseite des Hauses sind und auf denen sich
weitere Spielmöglichkeiten befinden. Es gibt zwei fest angestellte
Erzieherinnen, die sich um Kinder kümmern, und Bastel- und Spielangebote
durchführen.
Die Ansprechpartner von „Dr. Clown“ waren die Mitglieder des krankenhausinternen
Vereins cultur-tupfer,welcher aus Mitarbeitern des Klinikums, die sich
ehrenamtlich in diesem Verein engagieren, besteht. Die Kulturinitiative cultur-tupfer versucht
unter dem Motto „Lachen ist die beste Medizin“, den Patienten durch
Musik- und Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen, Theater, Tanz und Krankenhausradio
etwas Abwechslung vom Klinikalltag zu bieten.
Der Vorschlag von „Dr. Clown“, das Projekt in ihrem Krankenhaus durchzuführen
wurde von den Mitgliedern sehr begrüßt. Sie gaben zu verstehen, dass
sie auch nach Ablauf der Pilotphase sehr interessiert an einer Zusammenarbeit
seien, zumal sie schon seit Längerem geplant hätten, Besuche von Clowns
einzuführen. Die Clowns fühlten sich sehr willkommen und alle nötigen
Absprachen konnten schnell und unkompliziert getroffen werden. Es fand daraufhin
im August 2002 ein Treffen von Vertretern der Ärzte, Schwestern und Pfleger
der Stationen und den vier zuständigen Clowns statt, bei dem das Projekt
vorgestellt und Einzelheiten der Clownsvisiten, die jeden Donnerstag auf den
Stationen stattfinden sollten, besprochen wurden. Alle Beteiligten zeigten sich
sehr begeistert und gespannt, so dass dem Start des Projektes nichts mehr im
Wege stand. Da durch die Arbeit des Vereins cultur-tupfer bereits ein
regelmäßiges Kulturprogramm für Patienten, Besucher und Klinik-Angestellte
etabliert war, waren die Voraussetzungen für den Einstieg von „Dr.
Clown“ wesentlich erleichtert.
4 Der Ablauf der Clownsvisiten
Den Anfang jedes Arbeitstages als Klinikclown macht eine „Übergabe“ der
Stationen durch ein Mitglied des Pflegepersonals. In diesem Gespräch
werden die Clowns über die allgemeine Stimmung auf der Station und
die Krankheitsdiagnosen, die Namen und das Alter der Patienten informiert.
Des Weiteren müssen sie erfahren, in welchen Zimmern sie einen Schutzkittel
oder einen Mundschutz tragen müssen. Bei dieser Gelegenheit erfahren
sie auch, ob ein Kind zum Beispiel gerade erst eingeliefert wurde, frisch
operiert ist oder gerade eine schlechte Diagnose bekommen hat. Auch ob ein
Elternteil mit im Zimmer schläft kann für die Clowns oft interessant
sein. Diese Informationen notieren sich die Doktorclowns auf einem Zettel,
den sie auf der Visite bei sich tragen.
Nach der Übergabe haben die Besucher Zeit, sich umzuziehen, sich zu schminken
und sich in Clowns zu verwandeln. In der Regel steht ihnen für die Dauer
ihrer Besuche zu diesem Zweck ein Raum zur Verfügung.
Dann kann die Visite losgehen. Bei den meisten Besuchen ist es der Fall, dass
sie schon auf dem Stationsflur viele der kranken Kinder, die aufstehen dürfen,
sowie Besucher und Besucherinnen treffen und sofort mit ihrem Spiel beginnen.
So kommt es beispielsweise zu gemeinsamen Liedern oder zum Rollstuhl-Formel 1.
Manchmal ergeben sich, befruchtet von der Phantasie der Kinder und in Szene gesetzt
von den Clowns, von Anfang an Geschichten, die sich über die ganze Visite
hinziehen.
Danach gehen die Doktorclowns in jedes mögliche Zimmer, unabhängig
davon, ob sie ein Kind bereits im Flur kennen gelernt haben oder nicht. Oft sind
die kleinen Patienten ganz begierig darauf, die Clowns eine Weile für sich
allein in ihrem Zimmer zu haben. Dabei stellen sich diese immer neu auf die Situationen,
die sie hinter den Zimmertüren vorfinden ein und improvisieren aus dem Stegreif.
Eine Visite dauert meistens zwischen zwei und drei Stunden. Danach verschwinden
die Clowns wieder von den Stationen, hinterlassen dort aber oft Farbkleckse wie
bunte Luftballons, Clownsnasen oder andere kleine Geschenke und fröhliche
Erlebnisse und Gedanken.
5 Freundschaft mit den Clowns – Fallbeispiele
Mittlerweile sind die Clowns der Organisation „Dr. Clown“ seit
eineinhalb Jahren im Einsatz. Bei ihren Visiten in den Kinderkliniken fanden
zahlreiche positive Begegnungen mit kranken Kindern und Jugendlichen, sowie
mit deren Angehörigen und dem Pflegepersonal der Stationen statt. Im
Folgenden werden anhand von einigen Fallbeispielen Spielsituationen der
Clowndoktoren mit kranken Kindern beschrieben und im Hinblick auf ihre Wirkungen
hin überprüft.
Fall 1 - Der Einsatz von Techniken der Paradoxen Intention
Zimmer 15. „Leon, 7 Jahre, Armbruch bei Autounfall, gestern eingeliefert“ steht
auf Pekitos Zettel. Sie und ihr Clownspartner Gustave klopfen an und öffnen
die Tür. Im Zimmer sind Leon, der mit einem dicken Gipsverband im Bett
liegt und dem man noch deutlich den Schock des gestrigen Unfalls ansieht,
und seine Mama. Im Raum befinden sich noch keine persönlichen Gegenstände
wie Spielsachen oder Kuscheltiere.
„Dürfen wir reinkommen?“ fragt Pekito vorsichtig und nachdem
sie die Erlaubnis der beiden erhalten haben, betreten die Clowns den Raum. Voller
Bewunderung erkundigt sich Pekito, wie Leon zu dem großen, schönen
Gipsarm gekommen sei. Sie findet so etwas wirklich praktisch, weil man sich damit
die lästigen Ärmel an Pullovern sparen könne. Etwas unsicher,
ob die Clownin das wohl ernst meint, erzählt Leon mit der Unterstützung
seiner Mutter von dem Unfall. Als er mit seinem Bericht fertig ist, mischt sich
Gustave ein: „Und was ist mit dem Auto, hat es sich auch wehgetan?“ „Ja,
das ist kaputt.“ sagt Leon. „Liegt es auch hier im Krankenhaus?“ fragt
Gustave besorgt. Leon kichert. „Nein, das kommt auf den Schrottplatz!“ Das
macht Gustave sehr traurig, doch Pekito erklärt ihm, dass das nun einmal
mit Autos so sei, wenn sie kaputt wären. Während sie noch mit Leon
darüber nachdenkt, wie sie auch so einen tollen Gipsarm bekommen könnte,
bläst Gustave einen großen Herzluftballon auf. Bevor die Clowns das
Zimmer verlassen, gibt er Leon den Ballon: „Der ist für das Auto.
Kannst Du ihm den geben?“ fragt er schüchtern. „Klar!“ lacht
Leon.
Für den siebenjährigen Leon waren der plötzliche Autounfall, der
schmerzhafte Armbruch, die Fahrt im Krankenwagen und die Behandlung auf der Unfallstation
traumatische Erlebnisse, die nachhaltig mit großer Angst besetzt sind.
Hat er gestern noch erwartet, heute wie gewohnt in die Schule zu gehen, so muss
er jetzt, eingeschränkt durch die Schmerzen im Arm und den dicken Gipsverband
in einem Krankenhausbett liegen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Krankheit,
in diesem Fall mit der unerwarteten Zerbrechlichkeit des eigenen Körpers,
und der Aufenthalt in einer Klinik, bedeuten gerade für Kinder enormen psychischen
Stress. Auch die Mutter von Leon, die zwar einerseits erleichtert darüber
ist, dass ihrem Sohn nichts Schlimmeres passiert ist, andererseits aber ebenfalls
sehr unter der Situation leidet, muss sich plötzlich vielen neuen Anforderungen
stellen. Sie muss Verwandte, Freunde und die Schule von dem Unfall unterrichten,
sich bei ihrer Arbeitsstelle Urlaub nehmen, dafür sorgen dass Leon Kleidung
und Spielsachen ins Krankenhaus bekommt und vieles mehr. Für beide ist der
Schock der Ereignisse des Vortages noch sehr präsent und die neue Situation
fremd und unangenehm.
Hier ist der Besuch der Clowns sehr willkommen. Durch ihre Anwesenheit nehmen
sie dem Krankenhaus etwas von seiner bedrohlichen Atmosphäre. Sie greifen
die bedrückte Stimmung im Zimmer nicht auf, sondern spielen dagegen an.
Sich weniger um den gebrochenen Arm des Patienten, ja ihn sogar um eben diesen
zu beneiden, als vielmehr um die Befindlichkeit des Autos Sorgen zu machen ist
genau das Gegenteil von dem Verhalten, welches man eigentlich von einem Krankenbesuch
erwartet. Im Sinne der paradoxen Intention, bemühen sich die Clowns dem
Kind ein wenig von dem Schrecken zu nehmen, den der Unfall und dessen Folgen
bei ihm ausgelöst haben. Durch die Banalisierung des Armbruches und die Übertreibung
der Sorge um das Auto gelingt es ihnen, Leon und seine Mutter zum Lachen zu bringen
und den beiden eine neue Perspektive auf das Erlebte zu ermöglichen.
Fall 2 - Der Umgang mit ängstlichen Kindern
Karlotta und Propelli stehen vor der Tür von Zimmer 3. Durch das Fenster
können sie schon eine Mutter beobachten, die auf einem Stuhl sitzt
und ihre dreijährige Tochter Anna auf dem Schoß hat. Die Clowns
klopfen an und stecken ihre dicken roten Nasen zur Tür herein. Anna
schaut zuerst skeptisch, dann fängt sie an zu weinen. „Sie hat
Angst vor Clowns und es geht ihr heute nicht so gut.“ erklärt
die Mutter. Sie versucht aber dennoch Anna zu beruhigen um die Clowns hereinzulassen,
doch leider ohne Erfolg. Also bleiben die beiden im Türrahmen stehen
und kommen nicht näher. Sofort bekommt auch Propelli Angst und fängt
ebenfalls an zu weinen. Karlotta versucht sie zu beruhigen und ihr klar
zu machen, dass in dem Zimmer gar nichts sei, vor dem man Angst haben müsse,
nur ein Mädchen und seine Mutter. Doch auch bei Propelli ist da nichts
zu machen. Da hat Karlotta eine Idee. Sie fängt eine Träne von
ihrer Clownskollegin auf und versteckt sie in ihrer geschlossenen Hand.
Propelli wird aufmerksam und möchte die Träne in Karlottas Hand
sehen. Heimlich zeigt sie sie ihr und Propelli staunt. Auch Anna, die zwar
immer noch ein bisschen weint, inzwischen aber mit einem Auge das Spiel
der Clowns verfolgt, versucht einen Blick auf das Geheimnis in Karlottas
Hand zu erhaschen. Eine Schwester kommt vorbei und Karlotta gibt ihr die
Träne und bittet sie, diese zu Anna zu bringen. Es ist eine schimmernde
Glasperle in Form einer Träne. Als Anna die Clownsträne in der
Hand hält, hört sie ganz auf zu weinen und betrachtet sie behutsam. „Das
ist eine Clownszauberwunschträne“ flüstert Karlotta Anna
zu, bevor die beiden Clowns die Tür vorsichtig wieder schließen.
Der Besuch bei Anna ist ein Beispiel dafür, dass eine Begegnung mit Clowns
nicht nur polterig und laut sein muss, sondern oft, gerade im Krankenhaus, sensibel
und poetisch sein kann. Für die Clowns ist es sehr wichtig, die Situationen,
die sie vorfinden schnell erfassen und einordnen zu können, um angemessen
zu reagieren. In diesem Fall war es gut, dass sie nicht einfach in den Raum geplatzt,
sondern in der Tür stehen geblieben sind. In dem genannten Kapitel wird
ebenfalls auf die Notwendigkeit eines guten Zusammenspiels zwischen den beiden
Clowns, wie es hier deutlich war, hingewiesen. Karlotta hatte in diesem Fall
die Rolle des Weißclowns, der natürlich keine Angst hat und den Partner
belehren kann, Propelli übernahm den roten Clown. Der weiße Clown
steht für die Norm der Gesellschaft, er repräsentiert „was man
tun sollte“, er ist „einer der weiss“. Der „rote“ Clown,
der dumme August steht für den Protest, er revoltiert gegen Vorschriften
und folgt nur seinem Gefühl und seinen Trieben.
Anna hatte anfangs Angst vor den Clowns. Möglicherweise hat sie einmal schlechte
Erfahrungen mit Clowns gemacht. Bei solchen Kindern, die sich bereits angesichts
eines Clowns fürchten, ohne dass dieser überhaupt irgendetwas getan
hat, ist es immer ratsam, Abstand zu halten und mit räumlicher Distanz zu
versuchen, die Aufmerksamkeit des Kindes auf Distanz zu bekommen. In diesem Fall
gelang das dadurch, dass Karlotta und Propelli die Emotionen des Mädchens
und seiner Mutter in ihr Spiel miteinander übernommen haben. Propelli hat
die Angst des Kindes gespiegelt und Karlotta hat, wie die Mutter ihr Kind, versucht,
Propelli zu beruhigen.
Anna und ihre Mutter konnten bei dem Spiel zwischen den beiden Clowns nur zuschauen,
ohne mit einbezogen zu werden. Erst als der Zeitpunkt erreicht war, an dem sich
Anna doch noch verzaubern ließ und deutliches Interesse zeigte, nahmen
die Clowns die Verbindung zu ihr wieder auf. Vielleicht hat Anna beim nächsten
Mal weniger Angst vor Clowns.
Fall 3 - Das Spiel mit dem Thema ´Medizinische Untersuchung`
Heute hält Frau Dr. Trine Tropf ihre Visite zur Abwechslung einmal mitten
auf dem Stationsflur ab. Dort sind viele Menschen unterwegs: Patienten,
Besucher und Pflegepersonal. Ihre Clownspartnerin Lakritze assistiert. Da
schiebt sich ein kleiner zweijähriger Junge, an der Hand seinen Vater,
durch die Zuschauer. Er baut sich vor der Clownsdoktorin auf, zieht den
Pullover hoch und streckt ihr seinen dicken Babybauch entgegen. „Er
hat Bauchschmerzen.“ erklärt sein Vater. „Na, das haben
wir gleich.“ sagt Trine und kramt in ihrer Tasche. Heraus zieht sie
einen orangefarbenen Giggle-Stick (Ein Giggle-Stick ist ein Stab der, wenn
man ihn umdreht, ein röhrendes Geräusch macht, das ein bisschen
an Magenknurren erinnert). Sie hält ihn als Hörrohr an
den Bauch und horcht. Dann flüstert sie dem Bauch durch den Stick etwas
zu und erhält auch direkt eine Antwort. „Da sitzt was drin,
Bauchschmerzen!“ diagnostiziert
sie. „Soll ich die mal rausholen?“ Der Junge nickt. Sie hält
den Giggle-Stick an den Bauch und dreht ihn dann um. Zu hören ist ein
lang gezogenes, röhrendes Geräusch. „So, fertig. Die Bauchschmerzen
sind jetzt hier drin. Kann ich sie haben oder willst du sie mitnehmen?“ Dr.
Tropf zeigt auf den Stick. Der Junge ist sich zwar nicht sicher, was sie
genau meint, möchte seine Bauchschmerzen aber doch lieber wieder mitnehmen.
Trine hält seine Hosentasche auf und „kippt“ die Schmerzen
hinein (wieder das Geräusch!). „So,“ sagt sie „Die
Bauchschmerzen sind jetzt da drin und wenn du sie mal wieder brauchst, kannst
du sie dir ja herausnehmen.“
Frau Dr. Trine Tropf ist die einzige unter den Mitarbeitern von „Dr. Clown“,
die als Ärztin mit einem weißen Kittel die Kliniken besucht. Für
Kinder sind Krankenhausaufenthalte, Arztbesuche und medizinische Untersuchungen
nur selten angenehm. Deshalb entwickeln die meisten von ihnen eine Scheu vor
den weißen Kitteln der Ärzte und Pflegekräfte, weil sie diese
mit solchen unangenehmen Erlebnissen verbinden. Vor der lustigen Clownin, die
zwar auch einen weißen Arztkittel trug, dazu aber eine komische Mütze,
Badeschlappen und eine rote Clownsnase, hatte der kleine Junge keine Angst. Er
stellte sich sogar freiwillig der Untersuchung. Viele Ärzte haben schon
festgestellt, dass ihnen der Zugang zu den kleinen Patienten nach den Besuchen
der Clowndoktoren leichter fiel. Durch das lockere Spiel der Clowndoktorin nimmt
sie der Krankheit etwas von ihrer Ernsthaftigkeit, die sie für den Jungen
hat. Er leidet unter den Schmerzen, muss im Krankenhaus sein, kann aber die komplizierte
Diagnose des Arztes noch nicht begreifen. Dr. Trine Tropfs Krankheitsdiagnose „Bauchschmerzen!“ ist
dagegen für das Kind leicht zu verstehen. So tragen die Clowns dazu bei,
den kleinen Patienten den Klinikaufenthalt zu erleichtern und ihnen die Angst
vor Ärzten, Untersuchungen und der eigenen Krankheit zu nehmen.
Jeder Klinikclown hat eine Auswahl an Requisiten bei sich, die er in einem Köfferchen,
einer Tasche oder Ähnlichem aufbewahrt. Gerne benutzen die Clowns ihre Dinge,
wie auch Gegenstände, die sie bei ihren Visiten finden, nicht ihrem Sinn
entsprechend. So kann ein Tropf beispielsweise auch eine Brausemaschine oder
ein Telefon sein. Auch Trines Giggle-Stick, der ihr in diesem Fall als Hörrohr
diente, kann ebenso einen Dirigentenstab oder eine Flöte darstellen und
das Geräusch, das er macht, wenn man ihn dreht, kann auch ein deutliches
Zeichen für Hunger oder schlechte Laune sein. Gegenstände entgegen
ihrem eigentlichen Sinn zu verfremden, ist eine Methode, die Kinder auch gerne
im freien kindlichen Spiel benutzen und deshalb gut nachvollziehen können.
Fall 4 – Das Spiel mit der Krankheit
Wie jede Woche werden die beiden Clowns Lilli und Karlotta auch auf der Intensivstation
herzlich empfangen. Sie dürfen Tom besuchen, der nach einem schweren
Asthmaanfall eingeliefert wurde. Der Achtjährige liegt im Bett und
ist an vielen Schläuchen abgeschlossen, die ihn mit zusätzlichem
Sauerstoff versorgen. Bei ihm ist eine Therapeutin, die, wie sie den Clowns
verrät, mit Tom atmen übt. „Was hast du da für einen
Schlauch in der Nase?“ fragt Karlotta neugierig. „Ich habe Asthma
und kriege dadurch Luft.“ erklärt ihr Tom. „Aha, und was
ist das für ein Kasten?“ möchte Karlotta noch wissen und
zeigt auf das Gerät, an das einige der Schläuche angeschlossen
sind. „Da ist die Luft drin!“ sagt Tom lachend. Jetzt hat es
Karlotta verstanden. Lilli übt inzwischen die, für sie sehr komplizierten,
Atemübungen der Therapeutin. „Dürfen wir mitmachen? fragt
sie. Sie dürfen. Die Clowns sind begeistert und üben mit. Doch
leider klappt es bei Lilli überhaupt nicht gut. Tom muss ihr immer
wieder vormachen, wie die Übungen funktionieren. Das macht ihm großen
Spaß.
Bevor die beiden Clowns das Zimmer wieder verlassen schenkt Karlotta Tom noch
eine Tüte Luft für den Notfall (einen aufgeblasenen Luftballon). „Falls
die Luft im Kasten mal alle ist!“
Gerade auf der Intensivstation stellen sich die Besuche der Clowns als besonders
effektiv heraus. Kinder, die dort behandelt werden, sind der eigenen Krankheit,
den Ärzten und den medizinischen Apparaten, von denen mitunter ihr Leben
abhängt, völlig ausgeliefert. Plötzlich verlieren sie wieder die
gerade erst erlernte Kontrolle über die eigenen Organe. Dazu kommt, dass
die Intensivstationen natürlich meistens eher funktional als kinderfreundlich
eingerichtet sind und die Patienten dadurch leider wenig sinnliche Abwechslung
erleben. Nicht selten sind mehrere Patienten in einem Zimmer untergebracht, was
bedeutet, dass man es oft nicht umgehen kann, auch noch mit dem Leid des Zimmernachbarn
konfrontiert zu sein.
Das Erlebnis, welches Tom hatte, als plötzlich jemand da war, der noch weniger
als er selber von all den technischen Geräten verstand und dem man erstmal
alles erklären musste, kann für viele Kinder enorm ihr Selbstbewusstsein
stärken. Karlotta kann ihn als Clown direkt auf seine Krankheit ansprechen,
was für die meisten anderen Besucher nicht leicht ist. Pietätvoll versucht
man in der Regel über einen solchen Schlauch in der Nase hinwegzusehen.
Doch gerade diese neugierige Direktheit der Clowns gefällt. Seine Krankheit
und diese ganzen Apparaturen sind ja gerade das, was ihn zur Zeit am meisten
beschäftigt, und durch das Interesse der Clowns verlieren diese Probleme
ein wenig von dem Schrecken, den sie für Tom haben.
Die Clowns machen freiwillig die für Tom eher lästige Atemtherapie
mit und Lilli entwickelt sogar noch eine enorme Energie darin, alles ganz richtig
zu machen. Auch hier ist es Tom, der ihr erklärt, wie die Übungen funktionieren.
Durch den Spaß, den er in dieser Therapiestunde hatte, fällt es der
Therapeutin möglicherweise beim nächsten mal leichter, ihn zum Mitmachen
zu bewegen.
Fall 5 - Das Zusammenwirken von weißem und rotem Clown
Die beiden Clowns Gum und Propelli betreten einen Raum, in dem sich drei
kleine Mädchen von etwa fünf bis sechs Jahren befinden. Zwei von
ihnen, Rebecca und Leonie, dürfen aufstehen und sitzen auf ihren Betten.
Emmi muss noch im Bett liegen bleiben. Mit im Zimmer sind die Mamas von
Emmi und Leonie. Die Clowns stellen sich vor und begrüßen erstmal
alle Anwesenden. Plötzlich pupst Propelli unüberhörbar laut,
was ihr sehr unangenehm ist. Gum entschuldigt sich ausgiebig für diese
kleine Schwäche ihrer Kollegin und erzählt, sie seien auf der
Suche nach einem Arzt, der dieses „Problem“ mal untersuchen
könne. Wieder pupst Propelli und die Kinder lachen. Gum tut so, als
ob Propelli stinken würde und schimpft sie aus: „So was kannst
du doch hier nicht einfach so machen, das gehört sich nicht!“. „Das
stimmt“, sagt Emmis Mutter lachend. „Passiert euch das nicht
auch manchmal?“, fragt Propelli die Mädchen und pupst noch einmal „Ups!“. „Neeee!“,
kichern sie. „Gut so, es gibt Dinge, die man einfach nicht vor anderen
Leuten macht. So was wie P..., Pu...“, Gum kann es nicht sagen, es
ist zu peinlich. „Puupsen!!“, ruft Leonie lachend. „Genau...
oder popeln!“, vervollständigt Gum ihren Satz. „Pooopeln...!“,
seufzt Propelli verträumt und fängt sofort damit an. Gum ist entrüstet
aber die Kinder amüsieren sich köstlich. Die beiden Mamas sind
sich nicht sicher und verstecken den Lachimpuls lieber hinter den vorgehaltenen
Händen. „Jetzt reicht`s“, schimpft Gum und nimmt Propelli
an die Hand. „Komm mit, wir suchen jetzt mal den Arzt.“ Propelli
folgt Gum, lässt es sich jedoch nicht nehmen, beim Hinausgehen noch
ein Lied über Popel zu singen.
Hier sprechen die beiden Clowns die gesunde Seite der Kinder an und versuchen
dabei, die natürlichen Ressourcen der Kinder, in dem Fall den kindlichen
Humor, zu wecken.
Aus dem Blickwinkel der Kinder entsprechen die Clowns, trotz des Wissens, dass
es sich bei Clowns „nur“ um geschminkte und verkleidete Erwachsene
handelt, überhaupt nicht den, von Helga Kotthoff definierten „Skripts“,
die sie für ihre Vorstellung von erwachsenen Menschen haben. Gerade kleinere
Kinder haben große Freude an dieser Form von Inkongruenz. Inkongruenz bezüglich
ihrer Vorstellung vom Auftreten, vom Kleidungsstil und vom Verhalten erwachsener
Menschen als auch bezüglich der Themen, die die Clowns angeschnitten haben.
Die meisten Kinder lernen im Laufe ihrer Erziehung und Sozialisation, dass man über
Themen wie „Pupsen“ und „Popeln“ nicht offen kommuniziert,
schon gar nicht als Erwachsener. Gerade diese „Verbotenheit“ ist
es was bei Kindern dieses Alters einen besonderen Reiz auslöst und solche
Themen als ungemein komisch empfinden lässt.
Obwohl die Mädchen wissen, dass man so etwas wie „Pupsen“ und „Popeln“ nicht
macht, ist es ihnen natürlich selber schon oft passiert. Sie würden
das aber niemals zugeben, wie das Beispiel gezeigt hat, weil diese Situationen
für sie mit großer Scham besetzt sind. Untersucht man diesen Fall
auf die Theorie des Clowns hin, der die Aufgabe des Lachens in der Entspannung
des Lachenden sieht, so kann man schlussfolgern, dass die Kinder über Propellis
Missgeschicke lachen, weil sie sehr wohl wissen, dass es genauso gut ihnen selbst
passieren könnte. Die schambesetzten Erinnerungen an eigene Missgeschicke
dieser Art werden durch das Lachen darüber, dass sie jemand anderem passieren,
ins Bewusstsein gehoben und dort bearbeitet und verdaut.
In diesem Fall vertritt Gum in der Rolle des weißen Clowns die Normen und
Regeln der Gesellschaft, sie ist die Mutter, die Lehrerin, diejenige, die weiß,
was „man“ tut und was nicht. Propelli rebelliert als roter Clown,
im Widerstand gegen die Tyrannei der gesellschaftlich erwarteten Werte, gegen
diese „Vorschriften“, wie es der Clown als ewiger Widersacher der
Langeweile, der stumpfen Pietät und des reibungslosen Ablaufes des Alltags
schon immer getan hat.
1.6 Resümee
Meine persönliche Erfahrung als Klinikclown hat mir gezeigt, dass die
meisten Patienten das Angebot, sich von den Clowns besuchen und ein bisschen
von dem Alltag der Klinik ablenken zu lassen, sehr dankbar annehmen. Auch
Angehörige der Kinder und Mitglieder des Pflegeteams zeigen sich weitgehend
begeistert von den Visiten der Clowndoktoren. Einige Ärzte gaben uns
sogar die Rückmeldung, dass ihnen der Zugang zu den Kindern bei Untersuchungen,
die unmittelbar nach Clownsbesuchen stattgefunden haben, leichter fiel als
gewöhnlich. Bei jeder Visite bemühen sich die Clowns, ein bisschen
von der positiven Lebensenergie, von der sie selbst geleitet werden, an
die kranken Kinder abzugeben, um damit im Sinn der alten Redewendung „Lachen
ist gesund!“ einen kleinen Beitrag zu deren Genesung zu leisten.
1.7 Literatur
- BERK, LEE S.: New discoveries in psychoneuroimmunology. Humor & Health
Letter 1994 3 (6)
- BISCHOFBERGER, IREN: Humor als Lebenshaltung. In: Dr. med. Mabuse.
Zeitschrift im Gesundheitswesen September/Oktober 2003. Mabuse-Verlag
GmbH, Frankfurt am Main 2003
- COUSINS, NORMAN: Der Arzt in uns selbst – Anatomie einer
Krankheit aus Sicht des Betroffenen. Rowohlt Verlag, Reinbek 1981
- FARRELLY, FRANK & BRANDSMA, JEFFREY M.: Provokative Therapie.
Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 1986
- GROTJAHN, MARTIN: Vom Sinn des Lachens. Kindler, München 1974
- HÖFNER, ELEONORE / SCHACHTNER, HANS-ULRICH: Das wäre doch
gelacht – Humor und Provokation. Rowohlt, Hamburg 1995; 1997
- MEINCKE, JOACHIM (Hrsg.): Clownsprechstunde – Lachen ist
Leben. Hans Huber AG, Bern 2000
- ROBINSON, VERA, M.: Humor and Health Proffessions. Slack, Thorofare
1977
- RUBINSTEIN, HENRI.: Die Heilkraft Lachen. Hallwag, Ostfildern 1985
- TITZE, MICHAEL & ESCHENRÖDER, CHRISTOF T.: Therapeutischer
Humor. Fischer Verlag, Frankfurt 1998
- TITZE, MICHAEL: Heilsames Lachen – Humor und Heiterkeit als
Therapeutika. In: Dr. med. Mabuse. Zeitschrift im Gesundheitswesen
September/Oktober 2003. Mabuse-Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2003
- UHLENBROCK, GERHARD: Lachen hilft gegen Streß. In: Heilberufe.
Das Pflegemagazin. Heft 2.2001. Urban & Vogel, Medien und Medizin
Verlagsgesellschaft mbH&Co.KG, München 2001
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