cultur-tupfer - Kultur im Krankenhaus

Bundesverdienstkreuz für Ewald Gancer

Lippe aktuell 21.1.2017

Bundesverdienstkreuz für Ewald Gancer
Detmolder erhält Auszeichnung für sein Projekt “Cultur-Tupfer”

Det­mold (lat). Ewald Gan­cers Sakko trägt seit Sams­tag einen gol­de­nen Glanz­punkt. Der Det­mol­der zählt nun zum re­nom­mier­ten Kreis der Trä­ger des Bun­des­ver­dienst­kreu­zes. Viele Hände musste Gan­cer am Wo­chen­ende schüt­teln. In ei­nem fei­er­li­chen Rah­men ü­ber­reichte Land­rat Dr. Axel Leh­mann das Bun­des­ver­dienst­kreuz im Kon­fe­renz­saal des Me­di­cums. Zur Ver­lei­hung des Or­dens des Bun­desprä­si­den­ten ka­men rund 50 Gäste an die Rönt­gen­straße. Ne­ben Freun­den und Fa­mi­li­en­mit­glie­dern nah­men auch Land­rat Dr. Axel Leh­mann und die stell­ver­tre­tende Bür­ger­meis­te­rin Christ-Dore Rich­ter teil.

“Ich be­grüße Sie zu ei­nem span­nen­den Mo­ment. Im Na­men von Bun­desprä­si­dent Joa­chim Gauck darf ich Ih­nen für Ihre be­son­de­ren Leis­tun­gen das Bun­des­ver­dienst­kreuz ü­ber­rei­chen. Sie schaf­fen es, den großen und klei­nen Men­schen, Mut zu­zu­spre­chen und sind mit vol­lem En­ga­ge­ment da­bei”, stellte Land­rat Leh­mann in sei­ner Rede her­aus. In die Glück­wün­sche reihte sich die stell­ver­tre­tende Bür­ger­meis­te­rin mit ein. “Im Na­men der Stadt Det­mold danke ich Ih­nen für die bis jetzt ge­leis­tete Ar­beit. Für die Zu­kunft wün­schen wir Ih­nen und dem ge­sam­ten Team eine er­folg­rei­che Zu­kunft”, so Rich­ter. Die Lau­da­to­ren kom­plet­tierte Dr. Hel­mut Mid­de­ke. “E­wald Gan­cer hat die Kul­tur in un­ser Haus ge­holt. Mit sei­ner Be­harr­lich­keit hat er das Pro­jekt auch durch schwere Zei­ten fort­ge­führt. Um das Kli­ni­kum hat er sich ver­dient ge­macht und es der Öf­fent­lich­keit ein Stück weit mehr geöff­net”, lobte der me­di­zi­ni­sche Ge­schäfts­füh­rer. Glück­wün­sche mu­si­ka­li­scher Art er­hielt der Det­mol­der vom Kli­ni­kum-Lippe-Chor “­Sym­pTö­ne”. In Zu­sam­men­ar­beit mit den Gäs­ten hallte ein stimm­ge­wal­ti­ges “Al­les Gu­te” durch den Saal. Gan­cer, sicht­lich gerührt, rückte sich sel­ber ein Stück weit in den Hin­ter­grund und ver­wies auf die tra­gende Rolle sei­nes Teams. Als kom­mende Pro­jekte wies der Wür­den­trä­ger auf die “­Dok­tor Clown-Vi­si­ten” hin. Für den ge­meinnüt­zi­gen Ver­ein sei dies die größte Her­aus­for­de­rung, das Pro­jekt auch fi­nan­zi­ell auf­recht­zu­er­hal­ten. Die aus­ge­bil­de­ten Schau­spie­ler und Thea­ter­päd­ago­gen Kirs­ten Bohle und Pika Schauf sind seit 14 Jah­ren ak­tiv da­bei. Die nächste Ver­än­de­rung hat Gan­cer schon fest im Blick. In den Flu­ren vor den Ope­ra­ti­ons­sälen sol­len rund 40 weiße De­cken­plat­ten bunt ge­stri­chen wer­den. Laut dem Team von “­Cul­tur-Tup­fer” soll den Pa­ti­en­ten so­mit ein Stück weit die Angst ge­nom­men wer­den. Im Jahr 1988 grün­dete Gan­cer die In­itia­tive “­Cul­tur-Tup­fer”. Bis­her be­such­ten rund 51.000 Be­su­cher die Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen, in Kon­zer­ten, Aus­stel­lun­gen, Vor­trä­gen und Le­sun­gen. 2010 wurde “­Cul­tur-Tup­fer” mit dem ers­ten Preis der “Dank-Eh­ren­sa­che Kul­tur” des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len prä­miert. Zwei Jahre später er­hiel­ten sie vom Kreis Lippe den Eh­ren­ring in Sil­ber, für Grup­pen die sich mit her­aus­ra­gen­dem En­ga­ge­ment ver­dient ge­macht ha­ben.

Bundesverdienst

Wenn Kultur auf Krankenhaus trifft

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Wenn Kultur auf Krankenhaus trifft
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Gancer und die Klinikclowns 1

Als Gründer des Klinikvereins „cultur-tupfer“ e.V. ist Ewald Gancer mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet worden

Lachen ist die beste Medizin, sagt der Volksmund. Aber: Gibt es im Krankenhaus überhaupt etwas zu lachen? „Ja“, lautet Ewald Gancers klare Antwort, und deshalb hat er im Oktober 1998 die Initiative „cultur-tupfer“ am Klinikum Lippe gegründet. Seit dem ist Gancer, der im Pflegedienst des Klinikums in Detmold tätig ist, den Patienten häufig durch seine Rolle als Organisator von zahlreichen Ausstellungen, Konzerten und anderen Kulturprojekten bekannt. Für sein Engagement hat er am Wochenende die Bundesverdienstmedaille erhalten.
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Gancer Bundesverdienstmedaille
Ewald Gancer und Landrat Dr. Axel Lehmann

„Wenn der Landrat einem so eine Auszeichnung überreicht, ist das schon etwas Besonderes“, sagt Gancer. „Das bedeutet eine Anerkennung über das Klinikum hinaus.“ Trotzdem wäre es nicht sein Ding, die Anstecknadel, die für den Alltag gedacht ist, ans Revers zu stecken. „Ich will das nicht zur Schau stellen“, sagt Gancer bescheiden. Aber nicht ohne Stolz nennt er ein paar Kennziffern aus den vergangenen 19 Jahren: „Seit 1998 hatten wir 2.237 Veranstaltungen mit insgesamt 60.425 Gästen.“

Die Erfolgsgeschichte des Vereins „cultur-tupfer“ begann mit einem Zeitungsartikel. Ewald Gancer las von der Initiative Kultur „ImPulse“ an der Uniklinik Münster, und die Idee begeisterte ihn so sehr, dass er Kontakt zu den Organisatoren aufnahm und sich dort eine Veranstaltung anschaute. Mit den Anregungen im Gepäck suchte er Mitstreiter im Klinikum Lippe − mittlerweile sind es 65 − und so kam es im Herbst 1998 zur ersten Veranstaltung mit dem Posaunenchor Hiddesen.

Schnell kamen die ersten Ausstellungen im Foyer dazu, und die wöchentliche Konzertreihe „SonnTakte“ etablierte sich. Für Gancer war und ist es besonders wertvoll, für sein Ehrenamt stets direkte Rückmeldung zu bekommen: „Am nächsten Tag sprechen mich viele Patienten und Kollegen darauf an und sagen mir, ob es ihnen gefallen hat.“ Während seiner Nachtdienste hat er schon oft beobachtet, wie Patienten sich ganz in Ruhe die Ausstellungen anschauten.

Ganz besonders erinnert er sich an den 11. September 2001: Nach den Anschlägen auf das World Trade Center, spielte ein New Yorker Gitarrist im Beetsaal. Es seien zwölf Zuschauer dagewesen. Der Musiker und die Veranstalter seien sich einig gewesen, dass sie sich von Terroristen nicht stoppen lassen wollten. Und so wurde der Abend zu einer denkwürdigen Veranstaltung für den Klinikverein.

Trotzdem hat Kunst im Krankenhaus ihre Grenzen: Während die Bilder im Foyer auch einmal provokanter sein dürfen, achten Gancer und seine Mitstreiter auf den Stationen darauf, dass die Bilder eher dekorativ anmuten. „Auf den 19 Stationen mit Ausstellungen sind wir nah am Krankenbett. Da muss man behutsamer vorgehen“, erzählt er.

Durch die Kulturarbeit hat er das Detmolder Klinikum noch einmal von einer anderen Seite kennengelernt. In vielen unterschiedlichen Räumen hat es schon Musik, Theater und Lesungen gegeben. Und dabei gilt es Einiges zu beachten: „Wir brauchen immer offene Räume, weil kranke Menschen entscheiden müssen können, ob sie spontan dazu kommen möchten oder eher wieder gehen, weil sie müde sind.“ Gerade deshalb sei das Foyer so beliebt, aber auch die neue Magistrale in der Familienklinik mit dem offenen Treppenhaus.

In einer Kulturstadt wie Detmold haben Gancer und sein Team keine Probleme, die Veranstaltungen mit guten Künstlern zu bestücken. Im Gegenteil: Oft bekommen sie mehr Anfragen, als sie annehmen können. Das Landestheater Detmold hat bereits Theatermatineen im Klinikum veranstaltet, und durch zahlreiche andere Kooperationen kommen die „cultur-tupfer“ auf immer neue Ideen. Zwei Jahre lang – zwischen 2003 und 2005 – gab es sogar das Klinikradio „Tupfer Töne“. „Aber wir mussten feststellen, dass der Fernseher eine zu große Konkurrenz für uns war“, räumt Gancer ein. Dauergäste sind hingegen die Klinikclowns: Jede Woche machen Sie Späße auf den Stationen und bilden damit auch finanziell die größte Herausforderung für den gemeinnützigen Verein.

Sogar einen eigenen Klinikchor „SympTöne“ haben die kulturbegeisterten Mitarbeiter mittlerweile gegründet. Als nächstes sollen die Decken in den OP-Wartesälen bunt gestaltet werden, um den Patienten das Warten so angenehm wie möglich zu machen.

„Es ist unbestritten, dass Freude hilft, schneller und besser gesund zu werden“, meint Gancer. „Unser Verein trägt mit seinen Veranstaltungen zur Gesundung erwachsener Patienten und Kinder bei, in dem er Alternativen für die Krankenhausfreizeit schafft. Kultur im Krankenhaus ist Ablenkung, regt die Phantasie an und überbrückt Langeweile.“

Aller Veranstaltungen und Infos unter www.cultur-tupfer.de

Verdienstmedaille für Ewald Gancer

Detmolder Kurier 19.1.2017
Besonderes Engagement im Klinikum Lippe
Verdienstmedaille für Ewald Gancer
Durch sein langes Engagement, vor allem im kulturellen Bereich, hat Ewald Gancer anerkennenswerte Verdienste erworben.
Im Rahmen einer Feierstunde nahm er deshalb jetzt dieVerdienstmedaille des Verdienstordens der
Bundesrepublik Deutschland aus den Händen von Lippes Landrat Dr. Axel Lehmann entgegen.
„Sie schaffen es, den großen und kleinen Patienten Abwechslung vom Klinikalltag zu bieten und machen mit Ihren Angeboten Mut“, so Lehmann in seiner Rede über den Würdenträger. 1988 gründete Gancer die Initiative „Cultur-Tupfer“, die das Ziel verfolgt, sowohl den kleinen als auch den erwachsenen Patienten des Klinikums Lippe in Detmold durch ein bunt gemischtes Kulturprogramm
den Klinikalltag abwechslungsreicher zu gestalten. 1999 wurde diese Institution als gemeinnütziger Verein anerkannt, dessen Vorsitz Gancer seitdem innehat.
Unter seiner Leitung hat der Verein bisher rund 1900 Veranstaltungen mit ungefähr 51.000 Gästen erfolgreich organisiert, wobei es sich um Kulturausstellungen, Konzerte, Vorträge, Lesungen oder Tanzdarbietungen handelt. In Zusammenarbeit mit dem Lippischen Sängerbund wird auch die Chor-Konzert-Reihe „Stimmen lauschen“ organisiert, bei
der sich jeden Monat ein anderer Chor im Klinikum präsentiert und die Menschen begeistert. Zudem wurde das Projekt „Sonn-Takte“ ins Leben gerufen.
Für sein herausragendes Engagement erhielt Ewald Gancer (links) die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland aus den Händen von Lippes Landrat Dr. Axel Lehmann (rechts).
gerufen, bei dem jeden Sonntag andere Talente ihr Können zeigen und sowohl Patienten als auch Besucher musikalisch unterhalten. Neben weiteren Kooperationsprogrammen, zum Beispiel mit der Volkshochschule Detmold, liegt
Gancer vor allem der Klinikum Lippe Chorc„SympTöne“ sehr am Herzen.
Gemeinsam mit dem Präsidenten des LippischencSängerbundes, Norbert Arnold,
hat er diesen Chor im Jahr 2012 gegründet und die Organisation und Betreuung des Chores übernommen.
Er ist eines von 15 Mitgliedern, die sich einmal wöchentlich nach der
Arbeit zum Singen treffen und pro Jahr mindestens vier Konzerte im Foyer
der Klinik veranstalten.
DurchcGancers gezielte Öffentlichkeitsarbeitcwerden die Veranstaltungen nicht
nur von den Patienten, sondern auch von der Bevölkerung besucht, einige Gäste
kommen sogar von außerhalb.
Außerdemvwurde auf Gancers Initiative hin bis 2005 das Klinik-Radio „Tupfer-Töne“ angeboten.
Für Angehörige, die Patienten nicht besuchen können, initiierte er so die Möglichkeit, Grußkarten über die Vereinshomepage zu senden und an das Krankenbett bringen zu lassen.
Dem Einsatz von Ewald Gancer ist es zu verdanken, dass im Jahr 2003 der Verein „Dr. Clown – Clownbesuche in Kliniken und Pflegeeinrichtungen e.V.“ für das Klinikum Lippe in Detmold gewonnen werden konnte. Unter dem Motto “Lachen ist die beste Medizin“ besucht die „Clown-Visite“ seitdem einmal wöchentlich die
Kinderstation, gelegentlich auch weitere Stationen des Klinikums.
Gancer organisiert diese ClownVisite und ist oft auch selbst dabei, weil
ihm der persönliche Kontakt zu den Kranken sehr wichtig ist. Dank seines herausragenden Engagements hat sich das Klinikum Lippe in Detmold auch in der
Bevölkerung als Kultur-und Veranstaltungsort positioniert und etabliert, fast alle namhaften lippischen Künstler sind schon im Klinikum aufgetreten.
2010 wurde der Verein „Cultur-Tupfer e.V.“ mit dem ersten Preis „Der Dank-Ehrensache Kultur“ des Landes NRW ausgezeichnet. Im Jahr 2012 erhielt der Verein zudem den Lippischen Ehrenring in Silber, eine Auszeichnung des Kreises Lippe für Personen und Personengruppen, die sich in Lippe durch ihr herausragendes Engagement verdient gemacht haben.